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Zu viel Rasen im Moos – eine Anregung

Der Frühling ist da. Endlich ist es wieder warm, grün und bunt. Ich liebe den Frühling. Und ich habe zu viel Rasen im Moos.

Mittlerweile nenne ich auch einen ziemlich großen Garten mein Eigen. Ok, er ist gemietet, aber das macht nichts. Er ist so groß, dass man trotz einer sehr großen Terrasse (ca. 20 qm )und eines etwa 6 qm großen Rundbeetes immer noch zwischen einer und 1,5 Stunden braucht, um den Rasen zu mähen. Also, ich meine damit mähen und nicht schneiden. Rasenmäher an und drüberfahren. Nicht Nagelschere auspacken und jeden Grashalm mit Zentimetermaß auf die exakt selbe Länge schneiden. Die Rasenkanten werden auch nur deswegen getrimmt, weil das Gras sonst in den Nachbargarten wuchern würde.

Zuviel Rasen im Moos
(c) Michael Kusnierz

Wenn ich an meine ehemaligen Nachbarn denke…die würden beim Anblick meines jetzigen Gartens vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ein Stoßgebet an den Schutzheiligen der Gärtner schicken (gibt´s den?).

Deren Garten war…mir fehlt das richtige Adjektiv, deshalb versuche ich es mit „steril“. Nicht „steril“ im Sinne von keimfrei, aber irgendwie war er so rein. Auf der komplett gepflasterten Fläche erhoben sich 2 Hochbeete in denen klassische Gartenblumen auf einem exakt ihnen zugedachten Platz in der exakt ihnen zugedachten Größe wuchsen. Kein Hälmchen wuchs quer, kein Blättchen wagte es, sich dem Diktat der Gärtnerschere entgegenzustellen. Und wenn doch, fiel es ihr gnadenlos zum Opfer. Rundherum, also um den Garten, verlief eine Hecke. Diese Hecke war stets so akkurat getrimmt und immer so irrsinnig gleichmäßig grün, dass man hätte meinen können, sie sei aus Plastik. In den Fugen der Pflastersteine wuchs nichts. Nicht mal Moos. Und Moos wächst ja nun echt überall. Kurzum, es sah aus, wie das Cover einer schicken, alten Gartenzeitschrift.

„Moos“ ist auch schon das richtige Stichwort. Genauso wie „überall“. Denn ich habe zu viel Rasen im Moos. Und Löwenzahn und Gänseblümchen und Spitzwegerich und Breitwegerich und ein Haufen anderes Zeug, von dem ich nicht weiß, wie es heißt, das aber hübsch aussieht und mit Sicherheit nichts in einem “Rasen” verloren hat. Aber, um ehrlich zu sein: Ich habe keinen Rasen, ich habe eine Wiese. Das praktische an einer Wiese ist, dass ganz viel Medizin darin wächst. Die Blätter von Gänseblümchen helfen hervorragend bei Insektenstichen. Breitwegerichblätter lindern Schmerzen einer Blase (am Fuß) und aus Spitzwegerich kann man Hustensaft machen. Nur so, als Beispiel. Auf meiner Terrasse wachsen in unterschiedlichen, nicht zusammenpassenden Töpfen und Kübeln unterschiedliche Kräuter und allerhand Essbares. Genauso wie in dem kleinen Rundbeet auf dem „Rasen“ (der eigentlich eine Wiese ist). Ich hab Lavendel und Thymian, Rosmarin und Oregano, Salbei, Tomaten, Zucchini und Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren. Kapuzinerkresse, Chili. Und nicht ordentlich in Beeten oder schick in einer Kräuterspirale, sondern wild durcheinander. Ich sehe es. Und wenn es mir gefällt, dann kaufe ich es. Dann bekommt es einen Topf, irgendeinen der grad frei ist und wird an einen Platz, der dem Lichtbedarf der Pflanze entspricht, auf die Terrasse gestellt oder ins Rundbeet gesetzt. Wie es gerade passt (und ob es winterhart ist). So kommt es denn auch, dass ich Insekten in meinem Garten hab. Hummeln, Bienen, Fliegen, Schmetterlinge, Wespen, Ameisen und einen Haufen Käfer. Der Vorteil daran ist, dass sich die sogenannten „Schädlinge“ nicht so gut ausbreiten können, da ja der entsprechende Fressfeind direkt vor Ort wohnt. Unter meinem Dachüberstand nisten tatsächlich 4 Schwalbenpaare. Klar, gibt ja genug zu essen. Und um die Bestäubung meiner willkürlich in die Erde gesetzten Obstbäume muss ich mich nicht sorgen. Ich muss daher auch keine Insektizide verwenden und muss mir deswegen auch keine Gedanken machen, wenn meine Kinder sich draußen beim Spielen einfach mal so eine Himbeere oder eine Tomate oder so in den Mund schieben. Sie haben auch keine Angst vor dem fliegenden Getier, denn es ist Teil ihres Alltags. Sie wissen: Lass ich es in Ruhe lässt es mich auch in Ruhe. Und wer jetzt auf die Optik pocht: Irgendwas blüht immer. Ganz von allein, ohne Planung. Mein Garten lebt.

Auch wenn ich zu viel Rasen im Moos habe.

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