The Walking D... : The Walking Boßler in Ostfriesland - michasblog.de
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The Walking D… : The Walking Boßler in Ostfriesland

Mir wurde einmal gesagt: “Das Höchste was ein Mensch werden kann ist Ostfriese” – und damit einhergehend müsse man auch Boßler in Ostfriesland werden. Obwohl dies ja eigentlich auch nur möglich ist, wenn man denn hier geboren ist. Zugewanderte schaffen allerhöchstens den Ostfriesen zweiter Klasse.

Derks24 / Pixabay

Nun wohnen wir bereits gut 6 Jahre hier an der Küste und ich kann nahezu allen Bräuchen und Traditionen hier an der Küste etwas abgewinnen. Was sich allerdings zumeist am Wochenende, auch auf stark frequentierten Straßen abspielt, erschließt sich mir noch immer nicht. Meine erste Begegnung mit dem B0ßeln war mit dem abrupten Abbremsen eines mir vorausfahrenden Fahrzeugs verbunden. Als geborener Philanthrop schwoll mir bereits der Wutkamm aufgrund der Beinahe-Vollbremsung des Vordermann (oder -frau) und ich war im Begriff eine wohlbegründete und mit Eloquenz vorgetragene Meckertirade vom Stapel zu lassen bis, ja bis ich plötzlich aus den Augenwinkeln ein rundes Etwas mit hoher Geschwindigkeit im rechten Straßengraben verschwinden sah. Langsam weiterfahrend kam dann auch hinter der Kurve ein Pulk von Menschlein ins Blickfeld, einige mit Trainingsanzügen bekleidet, andere in normaler Kleidung. Einige trugen Kescher-ähnliche Gerätschaften, die wohl Kraber genannt werden, andere trugen diese Kugeln aus einem undefinierbaren Material (so im Nachgang erklärte man mir, dass es sie wohl vorwiegend aus Gummi, manche auch aus Holz bestehen).

Die Horde

Wie dem auch sei, da stand sie nun auf der Straße, die boßelnde Menge – wild gestikulierend und mit unmissverständlicher Handsprache signalisierend, dass man doch bitteschön zügig weiterfahre, während das Gros der Menge auf der rechten und linken Fahrbahn verweilte. Offensichtlich hing diese Menschentraube nicht an ihren zig Leben, denn Tempo 20 war “eindeutig” zu langsam bei einem Abstand von ca. 50-70 cm zu den Spielern. Eine ausgeglichene, sanfte und ruhige Persönlichkeit wie ich es bin regt so etwas natürlich gar nicht auf und es trägt auch überhaupt nicht zu Vorurteilen gegenüber dem Boßler in Ostfriesland bei. Mein erster Eindruck war also negativ behaftet und das sollte die nächste Zeit auch nicht besser werden, denn der nächste Zwischenfall endete beinahe mit einer sich fröhlich über den katalpultierenden Boßelkugel in der Front meines Fahrzeugs. Hätte ich nicht einen starken Bremsvorgang durchgeführt, wäre sie im Frontspoiler gelandet, so rollte sie lediglich UNTER dem Fahrzeug her. Wiederum kam der zugehörige Walking Boßler aus Ostfriesland erst NACH der Kurve zum Vorschein.

Das Drehbuch

Nach diesen Erfahrungen wurde mein Phantasie beflügelt, was man denn so alles mit diesen Volkssportlern anfangen könne: Primär gebar mein Gehirn den Gedanken einen Horrofilm zu drehen. Szenario: Kurvige Küstenstraße, typisch ostfriesisches Wetter im November, also dunkel und grau, herannahender Seenebel und plötzlich tauchen langsam schwankende Gestalten im Nebel auf. Gruselige Geräusche dringen in einer fremden Sprache (Platt) gedämpft in den Innenraum des noch sicheren Fahrzeugs. Plötzlich sieht man einen der Zom… ich meines Boßler oder doch eher Boßlies (Mischung aus Zombie und Boßler) einen Schädel gen Asphalt werfen. Furcht kennt dieser Walking Boßer aus Ostfriesland nicht, ist er sich doch seiner Präsenz auf der Straße und seines Status als Untoter wohl bewusst – da kann einen auch ein mit 70 km/h herannahendes Auto im Nebel nicht schocken, schon gar nicht wenn die breite Masse sich rechts und links aufbaut und notfalls mit Urgewalt diese Verkehrsrowdys mit ihren PKW für immer zum Schweigen bringt. Jedenfalls soweit das Intro. Mehr Ideen sind meinem Hirn auch noch nicht entsprungen.

 

Resümee

Nach ein paar Jahren jedoch kann ich differenzieren:

  • Es gibt die echten Sportler unter den Boßlern, die vorausschauend agieren, die Fahrbahn bereits von weitem räumen und nicht unhöflich auftreten, wenn man in angemessener Geschwindigkeit an ihnen vorbeifährt. Alkohol ist verpönt und auch sonst wird der Sport ernsthaft ausgeübt.
  • Leider gibt es auch noch die andere Sorte, genannt Walking Boßler in Ostfriesland, deren einziges Ziel zu sein scheint möglichst angetrunken, pöbelnd und jegliche Vorsicht im Straßenverkehr außer Acht lassend, suizidal auf herannahende Fahrzeuge zuzuwanken, um diese dann auch noch verärgert in selbstgerechter Verkehrspolizei-Manier durch den die Straße versperrenden Mob zu bugsieren.

Ich hoffe nur ich werden nie durch diese unachtsamen Boßler in einen Verkehrsunfall verwickelt. Böse Zungen würden von natürlicher Selektion sprechen, aber das verkneife ich mir mal.

Vielleicht kann mich ja jemand der erstgenannten Gruppe mal aufklären: Warum müssen es die stark frequentierten Straßen sein, warum weicht man nicht auf Nebenstraßen oder Wege unterhalb des Deiches aus? Das ist – auch wenn es für aktive Boßelsportler dümmlich klingen mag – eine ernsthafte Frage meinerseits. Wer weiß, vielleicht wird auch aus mir noch im Laufe der Jahre ein Boßler in Ostfriesland.

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